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Letzte Reise

Danke für die rege Anteilnahme und die auf diesem Wege eingegangenen Beileidsbekundungen.

Die Urnenbeisetzung/ Baumbestattung findet am 15.11.2011 um 11.00 Uhr auf dem Senne Friedhof (Südeingang) statt. 

http://www.bielefeld.de/ftp/dokumente/UWB_faltblatt_sennefriedhof_0807.pdf

Mutationen

Ich bin Nichtraucher.
Nicht gänzlich freiwillig, sondern mehr wegen des zu betreibenden Aufwands in Bezug auf das Ergebnis. Oft standen am Ende eines Versuchs nur läppische ein bis zwei Züge - definitiv zu wenig für ein „Zigarettenleben“ - und für mich!

Schrittweise mutiere ich zum vorbildlichen Mönch. Keinen Sex mehr, keinen Alkohol und jetzt auch noch kein Rauchen!

Die Liste, dessen, was ich alles nicht mehr mache(n) (kann), wird lang und länger, am Ende steht dann folgerichtig das Atmen. Atemnot (kannte ich bisher nicht) ist auch schon bei verschiedenen Gelegenheiten aufgetreten. Finde ich absolut uncool, das Gefühl. Selbst unter rein sportlichen Aspekten, sieht man die Erstickungsanfälle als Training oder Vorbereitung für den finalen Todeskampf an, bleibt ein schaler Geschmack übrig.

Teamleistungen

Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Das ist die Krux bei allen Leistungen, die im Team erbracht werden! Wenn eine Fußballmannschaft 1 Jahr, 120 Minuten und 4 Elfmeter lang übermenschliche Leistungen erbringt,
reicht doch der eine, 2 Sekunden dauernde Aussetzer eines Einzelnen während des Elfmeters, um das Gesamtergebnis und alle bis dahin erbrachten Leistungen völlig gegenstandslos zu machen.

Ein schönes langes, sonniges Wochenende wünsche ich.

Das Quittenkomplott

Sie sind knallgelb, groß wie Äpfel oder Birnen, und machen einen verheißungsvollen Eindruck. Genau wie bei vielen Dingen ist dann beim Genuss wenig Erfüllung und mehr Verheißung drin! Trotzdem zieht der Baum vor unserm Haus mit seinen großen Früchten Jahr für Jahr seine Interessenten (Opfer?) an wie ein Misthaufen die Fliegen. Jedes Jahr fragt so ein/e Bedauernswerte/r, ob er/sie sich einen Eimer voll pflücken darf. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien darüber entschieden wird, was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass hier aus den Jahren zuvor noch immer 3 Gläser Quittengelee stehen, die keiner essen möchte. Nochmals in aller Klarheit: Quitten sind knallgelb, groß und sehen richtig lecker und vielversprechend aus. Sie sind aber härter als unreife Birnen und schmecken nach gar nichts. Sie schmecken in etwa wie gepresstes Esspapier und kommen zu Mücken, Ikea und Blattgoldauflagen für Bratwürste auf meine Liste „Dinge, die die Welt nicht braucht.“

Wenn ich morgens wach werde, bringe ich keinen Ton raus, habe einen knochentrockenen Mund, Hals und Rachen und bekomme schlecht Luft. Bevor ich den ersten Schluck Kaffee intus habe, lässt sich mit mir nichts anfangen. Spötter sagen, das sei früher auch schon so gewesen…
Wer allerdings jetzt sieht, welche Änderung ein Schluck Flüssigkeit im Hals bei mir macht, der fühlt sich augenblicklich in die Welt von Asterix, Obelix, Miraculix und Zaubertränken versetzt. Noch was: nach 30 Jahren Rauchen werde ich wohl noch auf den letzten Metern zum Nichtraucher. Immer öfter vergeht ein Tag, an dem ich nicht geraucht habe. Sollte ich mich freuen? Bestimmt, aber irgendwie kommt bei mir keine echte Freude auf…

Da bleibt so wenig Lasterhaftes!

DBDDHKP

DBDDHKP (UKKU)

Kann mit dem Kürzel noch jemand etwas anfangen? Ich lasse das jedenfalls erstmal hier stehen. Hinweis: ist ein Spruch aus fernen Kindertagen und wer tatsächlich damit etwas anfangen kann, hat wohl schon viele Winter gesehen… ;-)

Mein Doc riet mir dringend, mal etwas mehr über meine Empfindungen mit den Alltagsproblemen abzulassen. Ich meckere, aber jammere nicht gerne öffentlich. Denkanstoß war wohl sein gestriger Besuch hier. Er kam nämlich gerade, als ich nach Hilfe geklingelt hatte. Mein Kissen war platt und bot dem Kopf keinen Halt mehr. Eine gewisse Zeit stört mich das nicht, aber irgendwann mal möchte ich meinen Kopf zurücklehnen und die Halsmuskeln entspannen. Das geht aber nicht, wenn ich den Kopf zurücklehne, er dann zur Seite und anschließend nach vorne kippt.

Das Kissen auszurichten, die passende Sesselneigung dazu zu finden, dauerte trotz erfahrener Hilfe gut 20 Minuten! Wenn ich gewusst hätte, dass mein Doc im Anmarsch war, hätte ich mir das Klingeln für später aufgespart. Eigentlich besteht mein Tag dauernd aus dem Treffen dieser Entscheidungen. Wie sagte ich meinem Gegenüber: „…wenn ich den gleichen Komfort wie Sie erreichen möchte, müsste ich auf der Klingel sitzen!“ Ständig muss ich abwägen, ob die Unbequemlichkeiten oder gar Schmerzen gewichtig und zahlreich genug sind, dass ein Klingelruf gerechtfertigt ist. Oder eben nicht.

Ich versuche immer, so wenig wie möglich störend oder unterbrechend auf den übrigen Pflegebetrieb einzuwirken. Ich finde oft, dass jemand, der überlegen kann, ob er Hilfe braucht oder nicht, Hilfe nicht so dringend braucht! Es gibt Gäste, die Schmerzen haben und definitiv Hilfe benötigen. Oft empfinde ich, ALS Kranke sind nur (Hospiz-)Patienten zweiter Klasse; sie haben keine Geschwüre oder Mißbildungen, Medikamente sind nicht angesagt. Dafür umso mehr Geduld. So sitze ich auf einer Falte, die Hose zwackt, oder ein Körperteil ist leicht verdreht oder suboptimal gelagert. So oder so: 100% sind utopisch und quasi nie erreichbar, alles über 90% ist Klasse, und manchmal müssen auch 65% reichen. Alles eine Frage der Zeit … ;-)

Die 20 besten Klammerblues’

Da gaaanz viele ihr Lieblings-Klammerblueslied als Reaktion gepostet haben, stelle ich hier mal eine nicht repräsentive Top Liste online. Sie wird nach den eingehenden Kommentaren vervollständigt und dann an RTL geschickt ;-)

PS: das dazugehörende Jahr und die Geschichte finde ich persönlich am Interessantesten…

Carlos Santana - Samba Pa Ti
Wishful Thinking - Hiroshima
Nazareth - Love hurts
 Simon & Garfunkel - Bridge over troubled Water
Cat Stevens - Morning has broken
Barry Manilow - Mandy

Wen interessiert, wie sich mein körperlicher Zustand mit ALS so entwickelt:
Heute morgen, so gegen 7, wurde ich in Bauchlage wach, die Beine ausgestreckt, meine Arme lagen nach links.

Ich schaffte es nicht, durch Anwinkeln und Arbeiten mit den Beinen -so wie sonst- in eine bequemere Position zu wechseln! :-(

10 Grad Differenz

Meine Lehrer der Naturwissenschaften vom MWG in Lemgo würden sich vermutlich erstaunt die Augen reiben, stieße sie jemand auf meine Gedanken zu Physik, Chemie und Biologie. Doch ich komme immer häufiger nicht drumherum, mir Gedanken über (Natur-)Wissenschaften zu machen. In meinem nächsten Leben werde ich wohl ziemlich sicher Wissenschaftler.

Nehmen wir mal Folgendes an:
Sie liegen im Bett, zugedeckt und werden wach.

Szenario I:
es ist Sonntags früh, die Blagen übernachten -geplanterweise- woanders, Haustiere oder andere Störungen sind nicht in Sicht, und durch das leicht geöffnete Fenster dringt das Geräusch kräftigen Regens und angenehm frische, kühle Luft…
99 von 100 Personen würden sich in die bequemste Lage bringen, die Bettdecke höher ziehen und weiter schlafen!

Szenario II:
alles wie zuvor, jedoch mit 2 Änderungen, Sie sind in ihre Decke eingewickelt und nicht in der Lage, sich zu bewegen. Außerdem beträgt die Umgebungstemperatur schwülwarme 26 Grad Celsius, somit 10 Grad mehr als in Szenario I, und die Sonne scheint.
Das wäre dann eine Foltersituation, der 100 von 100 Personen schnellstmöglich entfliehen möchten, oder?

Können ALS Patienten, Gelähmte und aus anderen Gründen bewegungsunfähige Personen leider nicht! Ich versuche meistens, wenn ich zu früh wach werde, geistig auszuwandern und beschäftige mich mit den unmöglichsten Dingen. Und doch reicht schon ein Geräusch vor meiner Tür, um mich wieder in meine persönliche Folterkammer zurück zu bringen. Da, wo die Bettdecke zum Feind wird. Abends noch hochgeschätzt als Wärmespender, morgens abgrundtief verhasstes Folterinstrument. Überzogen? Dann lassen Sie sich mal spaßeshalber so in eine Decke einrollen, bis Sie alleine nicht mehr hinauskommen. Wie viele Stunden schaffen Sie wohl?

Ich bin jedenfalls morgens immer froh, wenn Hilfe kommt und mich erlöst… Um bei 10 Grad Differenz zu bleiben: bei 22 Grad habe ich definitiv mehr Unternehmungsgeist als bei 12 Grad Celsius. Denken Sie mal kurz darüber nach, was Ihnen bei 22 Grad alles leichter fällt als bei 12…

Ich verstehe ganze Sätze

Ich kann ganze Sätze verstehen. Das Schreiben mit meiner Kommunikationshilfe dauert dagegen manchmal so lange, dass ich -dem Augenblick der schnellen Kommunikation geschuldet- darauf verzichte, meine Anliegen auszuformulieren. Stattdessen gebe ich lediglich knappe Hinweise. Sehr knapp, wenn mein Gegenüber gut beim Erraten ist. Falls nicht, muss ich eben „nachlegen“. So oder so bleibt das Verhältnis unausgeglichen! Als Trost für die, die in Unterhaltungen mit mir vermeintlich „den Kürzeren gezogen“ haben, möchte ich anmerken, dass ich die Sätze in meinem Kopf sehr ausführlich -und natürlich grammatikalisch korrekt- beende.

Es besteht dagegen kein Grund, in Gesprächen mit mir Eingeborenensprache zu verwenden - ich kann den Sinn vollständiger Sätze problemlos erfassen. Ich liebe die Feinheiten und Nuancen der deutschen Sprache sogar. Um noch ein Missverständnis gleich mit zu beseitigen: es verhilft Ihnen nicht zu einer Antwort von mir, Fragen mehrmals zu stellen. Auch leicht abgewandelt nervt das nur! Manche Fragen sind einfach redundant und verdienen keine Antwort. Bei Interesse kann ich gerne mal ein paar Beispiele veröffentlichen. Auch lauter und/oder langsamer zu sprechen, ist unnötig und kontraproduktiv! Ich bin weder schwerhörig noch „schwer von Begriff“; zumeist will ich nicht antworten. Oder ich kann es schlichtweg nicht, Beispiel: „…liegen Ihre Haare richtig?“ Wie soll ICH das denn wissen?!

Schöne Woche wünsche ich.

Klammerblues und Partykeller

Beim Durchsehen meiner Musiksammlung nach Doubletten, Abteilung ‘70er, ist mir zweierlei aufgefallen.
Einerseits, dass ich wohl schlimmer unter der Langeweile leide als ich mir eingestanden habe. Oder, wer zum Honk, kommt auf die wahnwitzige Idee mit der Musiksortiererei - und setzt sie dann auch noch um!
Zum Anderen, dass es Dinge aus den ‘70ern gibt, die ich vermisse oder teilweise irrtümlich den ‘80ern zugeschrieben habe. „Saturday Night Fever“ mit dem sehr jungen John Travolta z.B. stammt aus den ‘70ern. Lesern jüngeren Datums ist Travolta eher bekannt aus neueren Actionkrachern wie „Pulp Fiction“, „Operation Broken Arrow“, oder „Password: Swordfish“.

Dann gab’s in den ‘70ern noch die kleinen muffigen Partykeller, die mit den zahlreichen Feiern samstags den Discos die Gäste wegnahmen. Die meisten der älteren Jahrgänge dürften dort in jungen Jahren die eine oder andere Party gefeiert haben. Manchmal sogar mit anschließender Übernachtung in der „Liegeecke“, die mit ein paar alten Matratzen unbedingt in einen Partykeller gehörte! Genauso wie eine Lichtorgel, Schwarzlicht und eine Discokugel. Störungen durch Handies waren nicht zu erwarten, höchstens durch die Hausbesitzer oder deren Nachbarn. Handies gab es nämlich genauso wenig wie Computer, das Internet, bleifreies Benzin oder eine Anschnallpflicht (ja, es gab schon Strom!). Wer da war, blieb da, die Musik kam vom Plattenspieler und es gab viele verschiedene Richtungen wie Rock, Soul, Reaggae, Funk (Klasse viel Bass), Wave und Gothic, Rockabilly, Blues und natürlich Disco. Und die, die ich vergessen habe. Tanzarten und -Stile gab es natürlich auch dementsprechend viele!

Egal, wofür das Herz auch schlug, ob Hardrock oder Disco: bei einer Richtung herrschte Einigkeit. Alle fanden sich in frühen Teenagerzeiten auf der Tanzfläche beim „Klammerblues“ wieder. Das war neben dem klassischen Tanzkurs eine todsichere Möglichkeit, mit einem Mädchen auf Tuchfühlung zu gehen. Und zwar - genau wie der Tanzkurs - im Einklang mit den gesellschaftlichen Regeln; sogar bei Klassen- oder Schulfeten unter Aufsicht!

Da die Bewegungen beim Klammerbluestanzen quasi nicht existierten, konnte man sich völlig auf seine Tanzpartnerin konzentrieren. Zu beachtende Regeln gab es kaum: ein Lied Länge war Pflicht, die Hände oberhalb der Gürtellinie durften fast alles, nur unauffällig bis unsichtbar sollte es geschehen. Küsse waren auch erlaubt - genauso wie das Auseinandergehen, als wäre nichts passiert, sobald die Musik endete. Ich habe beim Bluestanzen jedenfalls einige schöne Erfahrungen gemacht… ;-)

PS: wer weiß, wovon ich geschrieben habe, kennt auch Telefone mit Wählscheibe und Kabel, „Wahrheit oder Pflicht“, S/W Fernseher, Apfelkorn, Bonanzaräder und Mofas. Er weiß, dass Jägermeister ein Altherren- und kein Kultgetränk war, dass „Ernte 23“, „HB“ und „RothHändle“ geraucht wurden

- und er/sie ist aaalt… ;-)

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